Der Sonne entgegen

Vor neun Tagen habe ich mich auf den Weg zum Frankfurter Flughafen gemacht, um der Sonne entgegen zu fliegen und in Boston anzukommen. Seither ist einiges geschehen.

Der Flug war alles in allem sehr angenehm mit nur zwei kleinen "Zwischenfällen", wenn man dies so bezeichnen kann. Auf dem ersten Flug nach Reykjavik hat mir eine der isländischen Stewardessen Eiswasser mit Restsprite meiner Nebensitzerin beim Abräumen über den Schoss gekippt, so dass ich ein wenig angepinkelt aussah. Zum Glück blieb noch genug Zeit, so dass die Hose noch im Flugzeug trocknete und ich mich so nicht an den Reykjaviker Flughafen begeben musste. Beim zweiten Flug wurde ich erst von einer amerikanischen Familie von meinem Gangplatz vertrieben, da eine Flugbegleiterin meinen Platz kurzfristig doppelt belegte, damit die Familie zusammen sitzen konnte. Glücklicherweise konnte ich auf einen anderen Platz umgesetzt werden, der ebenfalls am Gang lag. Island selbst, soweit ich es aus dem Flugzeugfenster bei Landung und Start sehen konnte, erinnerte mich an eine Mondlandschaft. Es ist sicherlich sehr interessant, auch einmal dorthin zu reisen. Aber wie man da auf die Dauer leben kann bei so karger, mehr brauner als grüner Landschaft?! Aber das muss ich wohl ein anderes Mal herausfinden.

In Boston gelandet, habe ich ohne Probleme mein Gepäck schnappen können und dankenswerter Weise warteten auch Steffen und Isabelle, die Biologie-Studentin aus Hohenheim, am Ausgang auf mich. Problemlos ging es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, also der T (die U-Bahn in Boston) und dem Bus, nach Everett in unsere Jugendherberge.

Den ersten Tag nutzten wir, um uns persönlich bei Lurlene, der Studentenberaterin für uns internationals, vorzustellen und uns anzumelden. Wir holten uns auch noch unsere Student ID und registrierten uns für Kurse, so dass wir recht schnell alles an der Uni erledigt hatten, das es zu erledigen gab. Die Tage darauf ging es für Steffen und mich auf Wohnungssuche. Die craigslist für Boston ist dazu ein gutes Hilfsmittel. Aber bei unseren ersten Hausbesuchen war ich schwer erstaunt, welche heruntergekommenen Zimmer bzw. Wohnungen für teure Monatsmieten (500 Dollar, Nebenkosten noch nicht miteingerechnet) am Markt gehandelt werden. Quintessenz: Boston ist teuer, wenn man einen normal guten Standard erwartet. Ausser man hat Glück!

Nachdem sich die Wohnungssuche aber eigentlich auch geklärt hat (ich warte jetzt nur noch darauf, den Mietvertrag unterschreiben zu können!), haben wir die größte Hürde wohl genommen. Jetzt kann man sich langsam anderen Dingen zuwenden, bspw. ein wenig Sightseeing Programm machen oder die anderen Deutschen, die jetzt langsam eintrudeln, treffen. Das Gute an der Wohnungssuche war eigentlich, dass Steffen und ich in verschiedene Ecken von Boston kamen und das nicht nur zu den Besichtigungsterminen. Wir waren schon öfters bei Haymarket (am Quincy Market und der Faneuil Hall), einer meiner absoluten Lieblingsplätze hier, und haben dort Mittagspause gemacht. In downtown Boston haben wir nach Handyangeboten geschaut. Und Harvard Square haben wir wegen des WiFis (w-lan) häufig aufgesucht. Dort konnten wir im Cafe unsere Laptops auspacken und nach den Anzeigen schauen. Als wir die Handys und den - haltet euch fest - "family plan" Vertrag bekamen (eine Rechnung, zwei Leitungen), konnten wir sehr viel bequemer und einfacher Termine ausmachen. Somerville und Cambridge waren dann letztendlich die Städte, in denen wir verstärkt nach Wohnungen gesucht haben, da vieles sonst zu weit ausserhalb gelegen wäre oder in nicht so guten Gegenden, in denen ich mich überhaupt nicht wohlgefühlt hätte.

Seit gestern haben wir eigentlich mehr Freizeit. Ich bin nochmal an die Uni gefahren, in der Hoffnung, Lurlene sprechen zu können. Aber leider ist sie heute nicht da. Dann habe ich am Wochenende erst einmal frei und kann allem Anschein sogar schon in mein Apartment einziehen. Wenn dann noch alles mit dem Mietvertrag klappt, kann ich mich um meine restliche Freizeitgestaltung sowie die restlichen Möbel für mein Zimmer kümmern. Am 30. August wird auch orientation day für die internationals sein, wo wir alle anderen Austauschstudenten treffen werden. Ab da wird es vieles zu erleben geben, da bin ich mir sicher!

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